Haltungsschäden rechtzeitig entgegenwirken

Bereits bei Schulanfängern werden heute Haltungsschwächen wie nach vorne hängende Schultern und ein krummer Rücken beobachtet. Mit zunehmendem Alter können sich daraus Haltungsschäden entwickeln, die dann die Beweglichkeit des Betroffenen lebenslang einschränken. Nach Beendigung des Längenwachstums sind Fehlstellungen der Wirbelsäule kaum noch zu korrigieren. Daher ist es besonders wichtig, Haltungsschäden möglichst frühzeitig zu erkennen. Dann ist noch Zeit, therapeutisch einzugreifen und Jugendliche und deren Eltern für ein gezieltes Trainingsprogramm zu gewinnen.

Die juvenile Kyphose (Morbus Scheuermann) ist eine der häufigsten Wirbelsäulenerkrankungen überhaupt. Es handelt sich dabei um einen wachstumsbedingten vermehrten Rundrücken der mittleren und unteren Brustwirbelsäule durch Keilwirbelbildung. Die Erkrankung tritt während des Hauptwachstums zwischen dem achten und 13. Lebensjahr auf. Da die Veränderungen im Jugendalter wegen ihrer geringen Beschwerden meist unbemerkt verlaufen, kommen die Patienten oft erst zum Arzt, wenn es zu spät ist, und der Rundrücken als Zustand nach Morbus Scheuermann bereits fixiert ist. Für die Entstehen des Morbus Scheuermann kann die Haltung des Heranwachsenden von Bedeutung sein.

Dagegen spielt sie bei der Entwicklung einer Skoliose keine Rolle. Diese seitliche Verkrümmungen der Wirbelsäule entstehen in der Regel durch krankhafte Vorgänge während des Wachstums. Oft ist der Grund eine asymmetrische Nervenaktivität der Rumpfmuskulatur. Skoliosen können in jedem Abschnitt der Wirbelsäule auftreten, meist ist jedoch die Brust- und Lendenwirbelsäule betroffen. Eine hochgradige Skoliose im Brustbereich kann den Brustraum so einengen, dass nicht mehr genügend Platz für Atembewegungen bleibt Um Spätfolgen zu verhindern, muss möglichst frühzeitig therapeutisch eingegriffen werden. Deshalb sind Früherkennung und Frühbehandlung mit Krankengymnastik, ev. Statikkorrktur Korsettversorgung und eventuell Operation sehr wichtig.

Auch dem Schulsport kommt eine wichtige Aufgabe zu. Wirbelsäulenverkrümmungen werden unter anderem durch mechanische Faktoren ausgelöst. Entscheidend ist dabei die mechanische Belastung über einen langen Zeitraum. Wenn jemand also nur krumm steht und sitzt und sich nicht bewegt, wächst er auch krumm. Wirbelsäulenpatienten sollten also Sport treiben. Eine Befreiung vom Schulsport ist normalerweise nicht notwendig, im Gegenteil: Die Aktivierung der Muskulatur im Schulsport ist oftmals die einzige Chance, dass sich die betroffenen Kinder aufrichten In der Regel ersetzt die Teilnahme am Sportunterricht eine Einheit Krankengymnastik. Natürlich dürfen die Patienten keine Sportarten betreiben, bei denen die Wirbelsäule gestaucht werden kann.

Mit der Jugendgesundheitsuntersuchung (J1) haben Kinder- und Jugendärzte die Möglichkeit, Fehlstellungen des Skelettsystems frühzeitig zu erkennen. Dann kann in den meisten Fällen durch Hinzuziehung des Orthopäden noch rechtzeitig mit den erforderlichen therapeutischen Maßnahmen begonnen werden. Dazu gehört zum Einen die Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur durch krankengymnastische Übungen. Zum Anderen sollen die Jugendlichen auch lernen, selbst aktiv zu werden, um dem Fortschreiten der Krankheit entgegen zu wirken.