Übersäuerung Zu viele Säuren machen krank!

Sind wir alle chronisch sauer? „Leider ja, das Bindegewebe von 90% aller Menschen ist heutzutage eine einzige Säuredeponie", sagt der Naturarzt und verweist auf seine langjährige Praxiserfahrung. „Alles Unfug, der menschliche Stoffwechsel kann Säuren prima wegstecken", lächelt der Schulmediziner und klopft dabei auf sein dickes Biochemiebuch. Wer hat denn nun Recht?

Unser Körper braucht Säuren und Basen
Das Zusammenspiel von Säuren und Basen, kurz der Säure-Basen-Haushalt, bestimmt alle Stoffwechselprozesse im menschlichen Körper. Störungen dieses Gleichgewichtes führen zu Beeinträchtigungen von Atmung, Durchblutung, Hormonausschüttung, Immunabwehr und Verdauung.

Ob eine wässrige Lösung eine Säure oder eine Base ist, sagt ihr ph-Wert:

sauer? Neutral? basisch?
PH 1 PH 7 PH 14

Am Neutralpunkt ph7 sind also Säuren und Basen in der Lösung im Gleichgewicht. Man kann auch sagen: Die Säuren sind vollständig durch Basen gepuffert bzw. neutralisiert. Hauptbestandteile von Säuren und Basen im Organismus sind:

Säuren: Chlor, Jod, Phosphor, Schwefel, Silizium

Basen: Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen

Jeder Stoffwechselvorgang verlangt einen speziellen ph-Wert. So erfordert die Zerlegung der Nahrung im Magen einen sehr niedrigen ph-Wert von 1 bis 2, den die Magensäure liefert. Dagegen funktioniert die Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm nur bei einem hohen ph-Wert um 8, der durch den basischen Bauchspeichel garantiert wird.

Der ph-Wert des Blutes muss konstant bleiben

Lassen Sie uns gleich ein weit verbreitetes Missverständnis klären: Wenn Naturärzte von chronischer Übersäuerung sprechen, ist stets das Bindegewebe gemeint – niemals das Blut! Wer Ihnen etwas anderes erzählt, hat wirklich keine Ahnung! Eine akute Azidose, die sich – wenn auch sehr selten – z.B. bei Diabetes und Nierenversagen innerhalb weniger Stunden entwickeln kann, bedeutet stets akute Lebensgefahr und erfordert eine sofortige Klinikbehandlung! Eine chronische Übersäuerung des Blutes ist daher nicht möglich. Bevor es dazu käme, wäre der Patient schon gestorben, um es einmal ganz deutlich zu sagen.

Das Gewebe bindet überschüssige Säuren

Alle überschüssigen Säuren, die die freien Basen im Blut nicht sofort puffern können, wandern ins Bindegewebe und werden dort v.a. von Basen der Kollagenfasern neutralisiert. Das sollte allerdings nur eine Notlösung sein, bis die Blutbasen wieder ausreichen, um die zwischengelagerten Säuren zu puffern. Doch leider muss unser Bindegeweben aufgrund der zunehmenden Säurebelastung immer häufiger als Dauerpuffer herhalten. Für die Folgen dieser Bindegewebsbelastung interessiert sich die Schulmedizin, die nur die Stabilität des Blut-ph-Wertes im Blick hat, jedoch überhaupt nicht.

Das sind die Hauptursachen für eine erhöhte Säurebelastung:

  1. Säurelastige bzw. basenarme Ernährung
  2. Stress und Schlafmangel
  3. Verringerte Säureausscheidung aufgrund zu geringer Trinkmengen, zu wenig Bewegung, zu wenig Schwitzen
  4. Übertritt von Gärungssäuren aus dem Darm ins Blut
  5. Alle Entzündungen
  6.  Medikamente, z.B. Entwässerungsmittel (Diuretika)

In der Umgangssprache wird die dauerhafte Pufferung der Säuren durch das Bindegewebe als chronische Übersäuerung bezeichnet. Das ist allerdings nicht korrekt, weil die Säuren von Basen im Bindegewebe neutralisiert werden. Das Bindegewebe selbst wird also nicht sauer oder gar verätzt, wie das manchmal laienhaft dargestellt wird. Dennoch stört die Säurebindung die natürlichen Funktionen des Bindegewebes erheblich.

Zu den Folgen der Säureeinlagerung gehören:

  • •  Verdichtung und Elastizitätsverlust des gesamten Gewebe
  • •  Durchblutungs- bzw. Ernährungsstörungen der Organe
  • •  Überschießende Reaktionen von Nerven- und Immunsystem
  • •  Begünstigung von Zellmutationen bis hin zu Krebs

Zum Bindegewebe gehören auch die Knochen und die Gelenkknorpel, die oft zuerst leiden. So entziehen die Säuren dem Knochen wertvolles Kalzium, während die Knorpel nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Die Folge sind vorzeitige Abnutzung (Arthrose) und Entzündungen (Arthritis). Umgekehrt können akute und chronische Entzündungen, z.B. Arthritis, durch ihre sauren Entzündungsabfälle die Belastung des Bindegewebes verstärken, sodass ein Teufelskreis entsteht.

Lesen Sie in diesem Spezialreport, wie Sie mit einem einfachen Urintest die Säurebelastung Ihres Stoffwechsels abschätzen können. Eine präzisere Auskunft gibt Ihnen die Bestimmung der Blutpufferkapazität nach Jörgensen, die aber stets ein Therapeut vornehmen muss. Die neuen (und teuren) Hauttests liefern dagegen nur grobe Hinweise. Bei einer Säurebelastung sollten Sie ihr Bindegewebe „reinigen", damit die Transitstrecke für Nähr- und Abfallstoffe zwischen den Blutgefäßen und den Organen wieder frei wird. Deswegen stehen „Entsäuerungsmaßnahmen" auch am Anfang jeder naturheilkundlichen Therapie chronischer Beschwerden wie Rheuma und Arthrose (siehe Kasten links). Denn die besten Heilmittel nutzen nichts, wenn sie ihren Zielort im Körper nicht erreichen, weil das Bindegewebe „dicht" ist.

Alle Entsäuerungsverfahren – von einer basenreichen Ernährung über die Einnahme von Basenpräparaten und Heilpflanzenextrakten, basischen Wasseranwendungen bis hin zu Entspannungstechniken – können Sie ganz einfach zu Hause selbst anwenden. Wir sagen Ihnen, wie. Machen Sie mit – Sie werden erstaunt sein, wie gut Ihre Naturheilmittel plötzlich anschlagen und wie beweglich z.B. ihre Gelenke wieder sein werden.

Schädliche Folgen der Übersäuerung:

  • •  Allergien
  •  • Arteriosklerose
  •  • Arthrose
  •  • Gicht, Gallen- und Nierensteine
  •  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  •  • Kopfschmerzen und Migräne
  •  • Krampfadern
  •  • Osteoporose
  •  • Rheuma (aller Arten)
  •  • Rückenschmerzen
  •  • Verminderung der Selbstheilungskräfte
  •  • Verdauungsstörungen
  •  • Wundheilungsstörungen


Testen Sie sich selbst: Sind Sie sauer?

Anhand der folgenden 14 Fragen können Sie überprüfen, ob Sie möglicherweise übersäuert sind. Falls ja, sollten Sie unbedingt den unten beschriebenen Urin-Test durchführen. Machen Sie den Urin-Test aber auch, wenn Sie nur das Gefühl haben, dass Sie aufgrund Ihrer Ernährungsweise (viel Fleisch, wenig Gemüse und Obst) und/oder andauernder Stressbelastung zu wenig Basen zu sich nehmen bzw. zu viele Basen verbrauchen.

 Sind Sie Sauer

 

Auswertung:
Drei oder mehr Ja-Antworten sprechen für eine Übersäuerung. Überprüfen Sie unbedingt den ph-Wert Ihres Urins anhand der Anleitung im folgenden Abschnitt und folgen Sie den dort genannten Hinweisen.

So messen Sie den Säurewert Ihres Urins
Den Säurewert Ihres Urins können Sie ganz einfach zu Hause mit einem ph-Teststreifen bestimmen. Diese Streifen erhalten Sie in Drogerien oder Apotheken, z.B. Bullrichs® Vital pH-Teststreifen (60St. 7,59 €) oder Uralyt U Indikatorpapier (100St. 5,34 €)

Und so wird´s gemacht:
Halten Sie einfach den Teststreifen beim Wasserlassen kurz in den Urinstrahl. Warten Sie einige Sekunden, bis sich das Indikatorpapier verfärbt hat, und lesen Sie den ph-Wert anhand der mit den Teststreifen gelieferten Farbtabelle ab.

Wichtig:
Nehmen Sie während der Testphase keinesfalls Basenpräparate ein, denn damit verfälschen Sie das Ergebnis! Messen Sie den ph-Wert Ihres Urins an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ab dem Aufstehen alle drei Stunden, insgesamt fünfmal. Wenn Sie also um 6 Uhr aufstehen, messen Sie um 6, 9, 12, 15 und 18 Uhr. Tragen Sie ihre Ergebnisse in ein Kurvendiagramm nach untenstehendem Muster ein. Normalerweise hat die ph-Kurve des Urins zwei Spitzen, an denen der Urin basisch (A) oder zumindest weniger sauer (B und C) ist: eine nach dem Frühstück und eine nach dem Mittagessen. Der Grund sind die mit diesen Mahlzeiten gelieferten Basen. Dazwischen werden verstärkt Säuren ausgeschieden. Bei einem waagerechten Kurvenverlauf (D) werden entweder zu viele Säuren bzw. Basen zugeführt, oder es liegt eine Ausscheidungsstörung der Nieren vor.

Auswertung:
Ihre Kurven ähneln der Kurve A:
Glückwunsch! Sie neigen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zur Übersäuerung, da der ph-Wert Ihres Urins nur morgens und mittags leicht im sauren Bereich liegt. Achten Sie jedoch weiterhin auf eine basenbetonte Ernährung, um Ihr gutes Ergebnis zu halten.

Ihre Kurven ähneln der Kurve B:
Sie brauchen etwas mehr Basen, da der ph-Wert Ihres Urins durchweg im leicht sauren Bereich liegt. Eine Entsäuerungskur ist nicht unbedingt notwendig, wenn Sie Ihre Ernährung basenreicher gestalten.

Ihre Kurven ähneln der Kurve C:
Der ph-Wert Ihres Urins liegt durchweg unter 6, das ist zu sauer. Beginnen Sie umgehend mit einer Entsäuerungskur und stellen Sie Ihre Ernährung auf eine basenreichere Kost um.

Ihre Kurven ähneln der Kurve D:
Derartig starke basische Werte sind sehr ungewöhnlich und selten – es sei denn, Sie haben doch Basenmittel eingenommen. Falls nicht, suchen Sie bitte den Rat Ihres Therapeuten, denn möglicherweise liegt bei Ihnen eine Behinderung der Säureausscheidung über die Nieren vor.