Sensomotorik das Zusammenspiel zwischen Gefühl und Bewegung

Als Sensomotorik bezeichnet man die Summe unbewusster und bewusster neuromuskulärer Reaktionen des Körpers auf die Gesamtheit der Sinneseindrücke, die über das sensible und sensorische Nervensystem vermittelt werden. Über die Sensomotorik reguliert der Körper unbewusste stereotype Bewegungsmuster  z. B. Gehen, Laufen, Stehen und steuert unmittelbar bewusste, zielgerichtete Bewegungsabläufe zur Anpassung an die aktuelle Umgebungssituation.

Rückenschmerzen vermindern die sensomotorische Leistungsfähigkeit, die Folge ist eine Fehlsteuerung routinemäßiger Bewegungsabläufe, die wiederum Fehlbelastungen der Lumbalregion nach sich zieht. Andauernde falsche Belastung durch Dreh- und Beugebewegungen sowie muskuläre Dysbalancen mit koordinativem Defizit können den Heilungsprozess bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen jedoch entscheidend behindern. In der frühen Heilungsphase nach einem Bandscheibenvorfall stellen sie ein zusätzliches Risiko dar, in der Frührehabilitation nach operativen Eingriffen an der Wirbelsäule gefährden sie die Rekonvaleszenz des Patienten.

Schmerz und Fehlsteuerung der Bewegungsabläufe münden in einen Teufelskreis, der durch Stimulation der mechanosensiblen Propriorezeptoren ( Mechano-Rezeptoren, die die Wahrnehmung und Kontrolle der aktuellen Lage des Körpers im Raum ermöglichen ) in Haut und Unterhautgewebe unterbrochen werden kann.

Unterstützung der Schmerzdämpfung durch neuen Technik

Die Evolution hat verschiedene Arten von Warnsystemen entwickelt, um den menschlichen Organismus vor Schaden bewahren. Schmerz ist eines dieser Systeme. Gleichzeitig brachte die Evolution körpereigene Regulationsprozesse hervor, die einen bestehenden Schmerz dämpfen können, wenn er als Warnsignal nicht mehr nötig ist. Bei chronischen Schmerzen sind die neurophysiologischen Regulationsvorgänge des Körpers entkoppelt,  der Schmerz selbst wird zur Erkrankung. Durch Zug-, Dehn- und Druckreize werden berühungssensible Mechanorezeptoren in der Haut und dem Unterhautgewebe stimuliert. Spezialisierte Nervenfasern leiten die Erregung dieser Rezeptoren zum Rückenmark und lösen dort eine Hemmung chronischer Schmerzen aus. Schmerzimpulse werden auf ihrem Weg zum sensiblen Cortex im Gehirn gelöscht. Seit Jahrtausenden nutzt die Chinesische Medizin dieses Wissen zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen.

SensomotorikKoordination durch geschulte Bewegung

Sensomotorik3Sowohl bei geplanten Bewegungen als auch in unvorhergesehenen Situationen muss der Bewegungsapparat die Steuerimpulse des zentralen Nervensystems ohne Zeitverlust angemesssen umsetzen. Dabei soll die neuromuskuläre Aktion zielgerichtet sein und die Kraft ökonomisch eingesetzt werden. Die Orientierung des eigenen Körpers im Raum • die kinästhetische Wahrnehmung -  bildet gemeinsam mit einer Bewegungsschulung die Voraussetzung für eine sichere Koordination. Koordinierte Bewegung entsteht dann, wenn das zentrale Nervensystem und die Skelettmuskulatur bei der Steuerung von muskulären Agonisten und Antagonisten optimal synergistisch zusammenwirken. Das Ergebnis ist kontrolliert harmonischer Bewegungsablauf: Die Voraussetzung für Balance. Kraft und Körperbeherrschung.

Das Zusammenspiel der verschiedenen koordinativen Fähigkeiten erfordert eine beachtliche Erfahrung. Chronische Rückenschmerzen schränken diese Fähigkeiten im Verlauf der Erkrankung ein.Nur wenn das Trainingsprogramm abwechslungsreich ist, werden Gleichgewichtsgefühl, Geschicklichkeit und Reaktionsfähigkeit wieder erlernt und das Bewegungsrepertoire wird vielseitig.

Motivation und Management der Selbstbehandlung

Motivation ist die Gesamtheit der seelisch-dynamischen Faktoren, die das menschliche Verhalten bestimmen. Dies gilt ebenso für die Bereitschaft des Patienten, aktiv zum Gesundheitsprozess mitzuwirken. Regelmäßiges körperliches Training nimmt bei der Behandlung chronischer Rückenschmerzen eine herausragende Stellung ein. Ein Training zeigt erst dann seinen ganzheitlichen Nutzen, wenn die individuelle Leistungsbereitschaft eine adäquate Belastungsintensität möglich macht.

Eine negative Motivation behindert die Bereitschaft zu adäquaten Trainingsreizen, wie sie für eine schmerzfreie und funktionstüchtige Rumpfmuskulatur erforderlich sind. Die Patientenmotivation zur Selbstbehandlung ( self-care ) muss einen dauerhaften Effekt entwickeln. Erst wenn Übungen ritualisiert werden, sind sie wirklich effektiv. Einfache Übungen, die nicht zu viel Zeit beanspruchen und in den normalen Tagesablauf integriert werden können, sind ein wichtiger Schritt zur Steigerung der Motivation.

Die Dynamische Rückenschule bietet abwechselungsreiche und einfache Übungsinhalte, die jederzeit vom qualifizierten Rückenschullehrer erweitert werden können. Das Theraband ist als "Fitness-Studio im Hosentaschenformat" überall einsetzbar – und macht Spaß. Eine erfolgreiche Anleitung zur Selbstbehandlung für einen schmerzfreien Rücken zeigt hervorragende Ergebnisse. Durch eine gezielte Motivation des Patienten zur Selbstbehandlung steigen Aktivität im Alltagsleben, Arbeitsfähigkeit und Schmerzfreiheit deutlich an.

nach Dr. med. Matthias Fink

 

 

Informationen zu Weiterbildungs-Seminaren für Rückenschullehrer erhalten Sie beim Bundesverband der deutschen Rückenschulen (BdR e.V.) unter der Internet-Adresse www.bdr-ev.de