Schlank werden. Schlank bleiben.

Mehr als 25 Millionen Deutsche interessieren sich für eine schlanke Ernährung. Doch die Wunschfigur bleibt oft Wunschgedanke. Tatsächlich muss die Ernährungsforschung nach Jahrzehnten zahlreicher Wunderkuren heute zugeben, dass Pauschaldiäten nicht viel bringen. Denn jeder Stoffwechsel reagiert anders. Wie Abnehmen dennoch gelingen kann.

von Petra Peschel – mit der Expertenmeinung von Dr. med. Ulrich Frohberger

 

Ab morgen schaffe ich es: Ich nehme endlich ab.

Das dürfte ein weit verbreiteter Vorsatz sein. Doch am ewigen Hunger und nagenden Appetit scheitern Viele frühzeitig. Es klingt unglaublich: 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen hierzulande sind übergewichtig bzw. fettleibig. Als übergewichtig gilt man übrigens ab einem Körpermassenindex (BMI) über 25, als fettleibig ab einem BMI von 30. So deklariert es die gültige Adipositasleitlinie der einschlägigen Fachgesellschaften. Demnach hat jemand, der 1,70 Meter groß ist und 74 Kilogramm wiegt, einen BMI von 26, also leichtes Übergewicht. Mit 86 Kilo (BMI 30) wäre er fettleibig, bei 70 Kilo normalgewichtig. Bei dieser Messlatte wird allerdings weder nach Alter noch Geschlecht unterschieden.

Dabei kann vor allem mit zunehmenden Lebensjahren ein leicht höherer BMI gesundheitlich sinnvoll sein, wie Studien belegen. „Grundsätzlich ist erhöhtes Gewicht nicht automatisch problematisch, kann es jedoch werden“, so der ärztliche Leiter der Internen Abteilung des Hartmannspitals in Wien, Professor Dr. Manfred Wonisch. „Mögliche Folgen sind Gelenksabnutzung und Wirbelsäulenbeschwerden, bei Fettleibigkeit erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes oder Bluthochdruck.“ Vor allem Bauchfett ist gefährlich. Besonders anzutreffen bei „apfelförmigen“ Männern ab 35, wenn altersbedingt der Testosteronspiegel abfällt. Bauchfett ist sehr stoffwechselaktiv und begünstigt hohen Blutdruck. Auch kann es innere Organe schädigen. Beim weiblichen Geschlecht entwickelt sich stattdessen, und zeitlich deutlich später als bei den Männern, oft die weniger gefährliche „Birnenform“ mit Fettpolstern an Beinen und Po.

Neue Forschung: Fettleber gefährdet das Herz

Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass in einer Zeit, in der es mehr Diäten und Ernährungstipps gibt als je zuvor, die Organe derart stark verfettet sind, wie in keiner anderen Generation: Bereits bei bis zu 40 Prozent der Bevölkerung hat das Übergewichtsproblem zur sogenannten nichtalkoholischen Fettleber geführt. Experten sprechen auch von der menschlichen Mast oder „Stopfleber“. Und die kann ihre Stoffwechselaufgaben nicht mehr richtig erfüllen, mahnt der Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Nicolai Worm aus München: „Typische Folgen sind Zucker- und Fettstoffwechselstörungen. Betroffene sind auf dem direkten Weg zum Diabetes. Noch dazu hat sich die Fettleber als großes Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen herausgestellt.“

Dein Essen ist nicht das meine

abnehmenBerechtigt bleibt die Frage, warum wir trotz aller Ratschläge zur gesunden Ernährung und vieler ernsthaften Bemühungen immer ungesünder und dicker werden? Eine Antwort darauf hatte bereits eine im Jahr 2009 veröffentlichte Studie von Frau Professor Dr. Hannelore Daniel von der Technischen Universität München. Sie fand heraus, dass jeder Organismus völlig anders auf Lebensmittel reagiert – ebenso wie auf Fasten, Sport und Stress. Eine gesunde Ernährung kann demnach nur eine sein, die individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt wird.

Eine Ende 2015 veröffentlichte Studie des Weizmann Institute of Science in Israel kam zu dem gleichen Resultat: Bestimmte Lebensmittel haben bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Auswirkungen auf den Blutzucker. Möglicherweise sei die höchst variable Zusammensetzung der menschlichen Darmflora einer der Gründe dafür, warum allgemeingültige Diäten nicht funktionieren können, so die Forscher. Immer mehr Experten der Ernährungsszene geben unumwunden zu, dass sich die Frage nach „dem Stein der Weisen“ nicht pauschal beantworten lässt. „Offenbar ist der Glaube tief verankert, dass es eine Zauberformel gibt. Es ist wohl der unbändige Wunsch nach der Patentlösung, verpackt in ein paar Regeln, natürlich leicht umsetzbar und für alle passend“, so Nicolai Worm. „Vor allem die Jahrzehnte der Forschung haben uns aber gelehrt, dass ein und dieselbe Nährstoffzufuhr bei verschiedenen Personen sehr unterschiedliche, teils gegensätzliche Wirkungen zeigen kann.“

Mangel im Überfluss

Und das ist beileibe nicht das einzige Problem. Denn unsere traditionelle Ernährung passt grundsätzlich auch nicht mehr zum Lebensstil. Es sei denn, man arbeitet körperlich – etwa den ganzen Tag draußen auf dem Feld. Viel Energie in Form von Kohlenhydraten aus Brot, Müsli, Reis, Nudeln und Zucker kann jemand mit viel Muskelmasse durchaus vertragen. Bei wenig, nicht sonderlich beanspruchter Muskulatur tappt man dagegen in die beschriebene Fettfalle, weil der Organismus permanent mehr Energie bekommt als er eigentlich braucht. Selbst wer sich gesund ernährt, nimmt mitunter stetig zu. Vor allem, weil die Nährstoffdichte bei industriell ver- und bearbeiteten Produkten beängstigend schwindet. Selbst Obst und Gemüse aus dem Supermarkt sind oft zu leeren Kalorien mutiert. „Wir leiden Mangel im Überfluss“, so der Ganzheits- und Sportmediziner Dr. med. Ulrich Frohberger aus Münster. „Eigentlich müssten wir – vom Übergewicht mal abgesehen – kerngesund sein. Doch weil in Lebensmitteln nicht mehr drin ist, was mal drin war, sind wir hinsichtlich Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen oft unterernährt. Das schwächt unser Immunsystem."

Insulin blockiert die Fettverbrennung

Bei weitem die größten Dickmacher sind kurzkettige Kohlenhydrate, wie sie in raffinierten Weißmehlprodukten vorkommen. Sie lassen den Blutzucker in die Höhe schießen, der kurz drauf ebenso rasant wieder abfällt. Satt wird man so nur für kurze Zeit. Ein weiteres Organ, dem diese Schwankungen erheblich zusetzen, ist die Bauchspeicheldrüse. Greifen wir pausenlos zum nächsten Snack, muss sie pausenlos das Hormon Insulin produzieren, um die Glukosemassen in die Muskelzellen zu schleusen. Gleichzeitig blockiert die hohe Insulinproduktion die Fettverbrennung. Irgendwann sprechen die Körperzellen nicht mehr auf Insulin an. Eine Insulinresistenz, die Vorstufe zum Typ-2-Diabetes entsteht. Bleibt dem Grunde nach nur eine Lösung: Back to the roots mit l erstens saisonalen Biolebensmitteln aus kontrolliertem Anbau, was l zweitens einen konstanten Blutzucker möglich macht, der l drittens den Heißhunger stoppt.

Wie ein Profisportler 45 Kilo verlor

Nach diesem Prinzip hat der Gewichtheber Matthias Steiner, der 2008 in Peking olympisches Gold errang, innerhalb eines Jahres 45 Kilo abgespeckt – von 150 auf 105 Kilo Körpergewicht: ...

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von Petra Peschel, erschienen in "BIO – das Magazin für Körper, Geist und Seele", Ausgabe 1/2016, S. 10 ff.